“10€!” “4 fuffzig!” “6!” “9!” “8,25! letztes Angebot!”

Was klingt wie eine Preisschlacht auf dem Hamburger Fischmarkt, ist leider der Ausverkauf der Demokratie in Dresden.

Kurzer Recap: 2019 reformierte eine damals linksprogressive Mehrheit im Dresdner Stadtrat die damaligen Ortsbeiräte in Stadtbezirksbeiräte. Abseits des sperrigen neuen Namens waren diese “Stadtteilparlamente” erstmals für die Bürger·innen direkt wählbar und repräsentieren seither nun deutlich besser die Zusammensetzung der Bevölkerung vor Ort.

Sie entscheiden über kleine Anliegen in ihrem jeweiligen Bezirk direkt oder geben bei großen Fragen Empfehlungen an den Stadtrat, welcher diese aber leider nicht befolgen muss.

Die wohl wichtigste Aufgabe der SBRs ist das Verteilen von Geldern, und damit die Förderung von Projekten für Bildung, Soziales, Kultur, Sport etc. im Stadtteil.

Das entsprechende Budget dafür beschließt der Stadtrat im Rahmen des Haushalts. Ursprünglich sollten die SBRs jährlich 10 Euro pro Einwohner*in in ihrem jeweiligen Bezirk erhalten. Im Doppelhaushalt 2025/26 wurden dann allerdings 9 Euro vereinbart.

Das Bizarre dabei: Innerhalb dieses Haushalts kam es zu mehreren Streichungen und Kürzungen in den verschiedensten Teilbereichen, mit dem Beisatz: “Diejenigen können ja eine Förderung bei den SBRs beantragen.”

Nun ja. Im Rahmen der Haushaltssperre 2025 wurden dann 50% der Mittel eingefroren, was eine Kürzung auf 4,50 Euro bedeutete. Mit dem Nachtragshaus-halt bot Hilbert dann etwas mehr als 6 Euro, der zähneknirschende Kompro-miss lautete dann 8,25 Euro.

Als Erfolg kann man das allerdings nicht verbuchen, wenn man bei 10 Euro gestartet ist. Warten wir mal ab, was der OB für 2027/28 vorschlägt…

Noch mehr Stuff:

  • Remigration? Sehr gern und immer wieder!

    Die Einfaltspinsel aus der rechten Ecke schöpfen gut und gern mal Wörter neu, um Grausamkeiten einen neuen Anstrich zu geben. Blöd nur, wenn die Neuschöpfung etwas anderes aussagt, als eigentlich intendiert war. So auch beim Wort Remigration, ein Neologismus für das fade „Ausländer raus“. Bemühen wir nun unser Schullatein, bemerken wir, dass die Vorsilbe „re-“…

  • Die abstrakte Bedrohung

    Wer kennt es denn nicht: Da macht man einmal einen entspannten Familienausflug zum Striezelmarkt und will, Winterwetter sei Dank, dann doch lieber im gut geschützten SUV, dem Wetter trotzend, über den frisch gepflasterten Altmarkt brettern, schon wird man von Nizzablöcken, Polizeiketten oder Terrorsperren aufgehalten. „Freie Fahrt für freie Bürger“ – Wo sind denn die liberalen…

  • Werbung, Werbung – wer verschenkt die Stadt?

    Wir kennen sie alle – die Werbung an Bus- und Straßenbahnhaltestellen. Und an vielen Orten kann man momentan den Irrsinn beobachten, dass bestehende und intakte Wartehäuschen abgerissen und durch neue ersetzt werden. Aber warum ist das so? Muss das so sein? Und warum haben wir alle eigentlich kein Mitspracherecht, mit was für Werbung wir tagtäglich…

  • Knüppel aus dem alten Sack

    „…dann hat der meinen Mann ‘alter Sack’ gennannt!“ berichtet die alte Säckin gerade einer aufgebrachten Meute aus alten Säcken, als ich zufällig an der Anti-Rad-Demo in der Hauptstraße vorbeikomme. Mit welcher Sackigkeit sich ihr alter Sack den alten Sack verdient hat, vergisst die alte Säckin zu erwähnen, denn so viel ist sicher: Kein Radfahrer fährt…

  • “morgen, Kinder, wird’s nichts geben…”

    “…Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.” Ob zu Erich Kästners Zeiten oder heute, Weihnachten macht mehr Spaß, wenn man sich keine Sorgen ums Geld machen muss. Das gilt ganz besonders für diejenigen, deren Geschäftsmodell Weihnachten ist. Zum Beispiel die Betreiber·innen von Weihnachtsmärkten. Dresden hat neben kleineren Budenansammlungen ganze sechs solcher thematischer Märkte im Advent. Einen…

  • Gegen die Hybris

    Im antiken Rom war es Sitte, dass sich ein Feldherr oder Kaiser während eines Triumphzuges seinen Streitwagen mit einem Sklaven teilen musste. Dieser Sklave hatte zwei Aufgaben. Erstens, dem Mann der Stunde einen Lorbeerkranz über den Kopf zu halten. Zweitens, ihm durch die Fanfaren, Trommeln und Jubelrufe der Menge hinweg immer und immer wieder einen…

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